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Der Wind dreht auf Ost – Hochdrucklage bringt trockene Kälte

Aktuell stellt sich die Großwetterlage über Europa grundlegend um. Das bislang wetterbestimmende Zirkulationsmuster verliert an Einfluss, während ein kräftiges Hochdruckgebiet über Russland zunehmend an Macht gewinnt. Dieses sogenannte Russlandhoch dehnt sich in den kommenden Tagen weit nach Westen aus und reicht nach den aktuellen Berechnungen bis nach Skandinavien. Dort kann sich innerhalb dieses Hochdruckkomplexes sogar ein eigenständiges Hoch etablieren.

Um dieses Hoch herum wird die Luftströmung neu organisiert: Mit einer östlichen bis nordöstlichen Strömung wird kalte bis sehr kalte Luft aus dem kontinentalen Raum nach Mitteleuropa geführt. Damit stellt sich eine klassische Ostwetterlage ein, die vor allem durch trockene, aber markant kalte Luftmassen geprägt ist.

Einige Modellrechnungen lassen das Hochdruckgebiet sogar weiter nach Westen vorstoßen – über Norwegen hinweg bis in Richtung der Britischen Inseln. In diesem Szenario würde der Atlantik weitgehend blockiert. Mildernde Tiefdruckgebiete vom Ozean hätten dann kaum noch eine Chance, nach Mitteleuropa durchzugreifen. Stattdessen bliebe der Zustrom kontinentaler Kaltluft aufrecht.

Zusätzliche Brisanz erhält die Wetterlage durch mögliche Tiefdruckentwicklungen über dem Atlantik in der kommenden Woche. In mehreren Berechnungen liegt dort ein Tief, das die östliche Strömung auf seiner Vorderseite weiter anfachen könnte. Die kalte Luft würde dadurch noch weiter nach Westen und Südwesten vorankommen – gewissermaßen mit einem zusätzlichen „Boost".

In der Folge steht Deutschland eine deutliche Abkühlung bevor. In etwa 1500 Metern Höhe (850-hPa-Niveau) sinken die Temperaturen landesweit um rund 10 Grad, im Osten teilweise sogar um bis zu 15 Grad. Am Boden können sich diese Luftmassen je nach Wetterverlauf unterschiedlich auswirken – kalt wird es jedoch überall.

Sollte zeitweise feuchtere Luft eingebunden werden, etwa durch ein Mittelmeertief, könnte es regional zu Schneefällen kommen. Eine vorhandene Schneedecke würde die nächtliche Auskühlung zusätzlich verstärken. In solchen Fällen wären selbst tagsüber Höchsttemperaturen im strengen Frostbereich unter −10 Grad möglich.

Besonders markant würde die Kälte ausfallen, wenn die Luftmassentemperatur in 1500 Metern Höhe auf etwa −15 Grad oder noch tiefer absinkt. Genau dieses Szenario wird aktuell von einzelnen Modellen wiederholt gerechnet. Dann wären selbst ohne Schnee Tiefstwerte von fast −20 Grad möglich, begleitet von zweistelligen negativen Höchsttemperaturen.

Das kräftige Hochdruckgebiet zapft dabei direkt sehr kalte sibirische Luft an und führt sie an seiner Südflanke bis nach Mitteleuropa und Deutschland. Ein rasches Ende dieser Kältephase ist in den aktuellen Modellläufen kaum erkennbar. Solche blockierenden Hochdrucklagen sind bekannt dafür, sich über längere Zeiträume zu halten.

Da die erste Kältephase im Januar bereits hinter uns liegt und die anschließende Milderung nur von kurzer Dauer war, könnte Deutschland seit langer Zeit wieder ein Monat bevorstehen, der deutlich zu kalt im Vergleich zum Klimamittel von 1961 bis 1990 ausfällt. Negative Abweichungen sind in den letzten Jahren selten geworden: Zuletzt war der August 2021 mit

−0,12 Grad leicht zu kalt. Der letzte zu kalte meteorologische Wintermonat war der Februar 2018 mit einer Abweichung von −2,23 Grad – inzwischen fast acht Jahre her.

Ob und wie stark sich die bevorstehende Kälte tatsächlich durchsetzt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Es wird deutlich kälter, und vieles spricht dafür, dass die kalte Witterung vorerst Bestand hat. Die Großwetterlage hat sich umgestellt – und solche Muster ändern sich meist nicht über Nacht.