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Falsche Reisezeit, falsches Wetter: So vermeiden Sie teure Fehlentscheidungen bei Seereisen

​​​Ein sonniges Deck, ruhige See, entspannte Tage. So stellen sich viele Menschen ihre Seereise vor. Die Realität sieht allerdings häufig anders aus, denn Stürme, hohe Wellen oder drückende Hitze überraschen Reisende immer wieder. Und das, obwohl aktuelle Wetterdaten heute vielfach frei verfügbar sind. Der Grund liegt selten im Zufall, häufig entscheidet vielmehr der Buchungszeitpunkt über Wohlbefinden oder Frust an Bord. Werden Wetter und Klima nämlich falsch eingeschätzt, zahlen Sie als Urlauber am Ende mit verlorener Urlaubszeit und unnötigen Zusatzkosten.

Das Wetter entscheidet über Erlebnis oder Enttäuschung

Eine Seereise führt fast immer durch mehrere Klimazonen. Das macht ihren besonderen Reiz aus, birgt jedoch auch klare Risiken. Wo nämlich ein verregneter Tag an Land meist problemlos zu überbrücken ist, wirken sich schlechte Wetterbedingungen auf See unmittelbar auf den gesamten Ablauf aus. Hoher Wellengang in der Biskaya, starke Fallwinde in der Ägäis oder tagelanger Regen in der Karibik verändern dann Routen und Tagespläne. Geplante Landausflüge entfallen, Hafenaufenthalte werden verkürzt und das Leben an Bord verlagert sich in die Innenbereiche.

Viele Reisende berücksichtigen diese Zusammenhänge bei der Buchung zu wenig. Besonders kritisch wird es, wenn Entscheidungen hauptsächlich auf günstigen Angeboten oder kurzfristig verfügbaren Kabinen basieren. Verschaffen sich Interessierte lediglich einen Überblick über mögliche Kreuzfahrt-Reiseziele, ohne die typische Wetterlage der jeweiligen Region einzubeziehen, gehen sie damit schließlich ein kalkulierbares Risiko ein.

Meteorologische Langzeitdaten zeigen zum Beispiel, dass das westliche Mittelmeer und Atlantikrouten im Herbst häufiger von Sturmtiefs betroffen sind, wohingegen in Südostasien zwischen Mai und Oktober mit intensiven Monsunregen zu rechnen ist. Auch in der Karibik fällt die Hurrikansaison nicht zufällig in die Monate mit den attraktivsten Preisen.

Wellengang ist mitunter planbar

Wellengang lässt sich nicht vollständig vermeiden, aber in vielen Fällen gut einschätzen. Konkrete Routen zeigen das deutlich.

Die Überfahrt durch die Biskaya gilt beispielsweise als einer der seegangreichsten Abschnitte europäischer Kreuzfahrten. Besonders zwischen November und März sorgen atlantische Tiefdruckgebiete regelmäßig für hohe Wellen. In den Sommermonaten hingegen verlaufen Fahrten zwischen Spanien, Frankreich und Großbritannien meist deutlich ruhiger. Ähnlich verhält es sich mit Transatlantikrouten, bei denen der Nordatlantik im Winter deutlich mehr Bewegung zeigt als im Frühjahr oder frühen Herbst.

Auch im Mittelmeer gibt es klare Unterschiede. Die Adria zwischen Venedig und Dubrovnik bleibt selbst bei wechselhaftem Wetter typischerweise vergleichsweise ruhig, da sie von Landmassen geschützt ist. Die Ägäis dagegen entwickelt im Sommer durch den Meltemi, einen starken Nordwind, gelegentlich hohen Seegang.

In der Karibik wiederum ist der Winter meist durch stabile Passatwinde geprägt, die gleichmäßige, moderate Wellen bringen. Ab Spätsommer steigt dort das Risiko stärkerer Dünung. Diese Beispiele zeigen, dass Wellengang kein Zufallsfaktor ist und eng mit Region, Route und Jahreszeit zusammenhängt.

Extreme Wetterlagen rechtzeitig einkalkulieren

Extreme Wetterlagen lassen sich auch jenseits bekannter Sturmphänomene frühzeitig berücksichtigen. Ein Beispiel sind sogenannte Herbststürme im westlichen Mittelmeer. Zwischen Oktober und Dezember treffen dort warme Meeresluft und kühlere Luftmassen aus dem Norden aufeinander. Das wiederum führt teilweise zu kräftigen Windfeldern, die besonders Routen zwischen Barcelona, Marseille und den Balearen betreffen.

Auch im Frühjahr kommt es in der Nordsee regelmäßig zu schnell aufziehenden Sturmtiefs, die Kreuzfahrten entlang der norwegischen Küste beeinflussen. Häfen wie Bergen oder Geiranger sind dann zeitweise nur eingeschränkt erreichbar.

Im östlichen Mittelmeer sind zudem regionale Windsysteme relevant. Der Schirokko, ein warmer Wind aus südlichen Richtungen, bringt feuchte Luft und trübe Sichtverhältnisse nach Italien, Griechenland und Malta. Er sorgt somit weniger für hohen Wellengang als für unangenehme Bedingungen an Land. In Südamerika wiederum beeinflussen starke Kaltlufteinbrüche im südlichen Atlantik Seereisen entlang der argentinischen Küste.