Während viele Menschen derzeit vor allem auf die Hitze schauen, lauert eine andere Gefahr oft im Verborgenen. Denn mit der schwülwarmen Tropenluft steigt in den kommenden Tagen auch das Risiko für heftige Gewitter mit Starkregen deutlich an. Gerade diese Wettererscheinung gehört zu den gefährlichsten Naturgefahren in Deutschland.
Die Wettermodelle deuten für Freitag und das Wochenende regional Niederschlagsmengen von mehr als 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit an. In besonders kräftigen Gewittern können lokal sogar noch höhere Mengen zusammenkommen. Das Problem dabei: Der Regen fällt nicht über viele Stunden verteilt, sondern häufig innerhalb weniger Minuten.
Wenn aus Regen plötzlich eine Sturzflut wird
Viele Menschen unterschätzen die Wucht solcher Niederschlagsereignisse. Doch bereits 40 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter bedeuten enorme Wassermassen. Auf die Fläche eines Fußballfeldes gerechnet können bei 50 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde rund 350.000 Liter Wasser niedergehen.
Kann der Boden diese Mengen nicht schnell genug aufnehmen, beginnt das Wasser oberirdisch abzufließen. Besonders betroffen sind Straßen, Unterführungen, Parkplätze, Tiefgaragen und dicht bebaute Wohngebiete. Innerhalb weniger Minuten können sich dort regelrechte Wasserströme bilden.
Besonders gefährlich wird es in Senken, an kleinen Bächen oder in engen Tälern. Dort sammelt sich das Wasser oft überraschend schnell. Aus harmlosen Rinnsalen können binnen kurzer Zeit reißende Fluten werden.
Warum die aktuelle Wetterlage so brisant ist
Die Ursache liegt in der Luftmasse selbst. Mit der heranströmenden Tropenluft steigen nicht nur die Temperaturen auf Werte von über 35 Grad. Gleichzeitig enthält die Atmosphäre außergewöhnlich viel Feuchtigkeit.
Meteorologen sprechen dabei von PPW-Werten zwischen 35 und 40 Millimetern. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Die Atmosphäre ist mit Wasserdampf regelrecht aufgeladen. Wird diese feuchtwarme Luft durch Gewitter zum Aufsteigen gezwungen, können sich die Wassermassen schlagartig entladen.
Hinzu kommt, dass sich viele Gewitter derzeit nur langsam verlagern können. Dadurch können einzelne Orte über längere Zeit von Starkregen getroffen werden, während wenige Kilometer entfernt kaum ein Tropfen fällt.
Die größten Gefahren entstehen oft im Straßenverkehr
Ein Großteil der wetterbedingten Notfälle ereignet sich auf Straßen. Schon wenige Zentimeter Wasser auf der Fahrbahn können Aquaplaning auslösen. Besonders gefährlich sind überflutete Unterführungen, Senken und Landstraßen.
Wer während eines Unwetters unterwegs ist, sollte die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und niemals versuchen, überflutete Straßen zu durchfahren. Oft ist nicht erkennbar, wie tief das Wasser tatsächlich steht oder ob die Fahrbahn bereits beschädigt wurde.
Auch Fußgänger sollten überflutete Straßen meiden. Offene oder hochgedrückte Kanaldeckel können unter Wasser kaum zu erkennen sein und zur lebensgefährlichen Falle werden.
Auch Keller können zur Falle werden
Viele Menschen versuchen bei Starkregen noch schnell, Kellerfenster abzudichten oder Wasser abzupumpen. Genau das kann gefährlich werden. Steigt das Wasser rasch an, können Kellerräume innerhalb kurzer Zeit volllaufen.
Besondere Vorsicht gilt zudem bei elektrischen Anlagen. Bereits geringe Wassermengen können Kurzschlüsse oder lebensgefährliche Stromschläge verursachen. Ist der Keller bereits überflutet, sollte er nicht mehr betreten werden.
Was bei Starkregen wichtig ist
Achten Sie auf aktuelle Wetterwarnungen im Radio, im Internet oder über Warn-Apps. Meiden Sie bei Unwettern Unterführungen, Tiefgaragen, tiefer gelegene Räume und überflutete Straßen. Bewegliche Gegenstände wie Gartenmöbel, Fahrräder oder Mülltonnen sollten rechtzeitig gesichert werden.
Im Freien gilt: Halten Sie Abstand zu Bächen, Senken und Hängen. Auch kleine Gewässer können sich bei Starkregen innerhalb kurzer Zeit in reißende Fluten verwandeln.
Die Gefahr wird uns künftig häufiger begleiten
Klimaforscher beobachten seit Jahren eine Zunahme intensiver Niederschlagsereignisse. Wärmere Luft kann deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kältere Luft. Dadurch steigt das Potenzial für extreme Regenfälle.
Die aktuelle Wetterlage zeigt eindrucksvoll, wie eng Hitze und Starkregen zusammenhängen. Je wärmer und feuchter die Luftmasse ist, desto größer wird die Energiemenge, die Gewitter freisetzen können.
Deshalb gilt in den kommenden Tagen besondere Aufmerksamkeit. Denn die größte Gefahr geht oft nicht von Blitz und Donner aus, sondern von den Wassermassen, die innerhalb weniger Minuten vom Himmel stürzen können.
Quellen: Deutscher Wetterdienst, Wetterwarnkriterien für Starkregen; Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Hinweise zu Starkregen und Hochwasser; Kuratorium für Verkehrssicherheit, „Wenn der Regen kommt…", 26. September 2020. https://www.kfv.at/wenn-der-regen-kommt/