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Wetterfühligkeit und Wetterwechsel: Was Mythos ist, was plausibel erscheint und wie ein pragmatischer Umgang gelingt

Wetterfühligkeit ist ein Thema, das im Zusammenhang mit Wetterprognosen und Wetterentwicklungen regelmäßig diskutiert wird, da viele Menschen angeben, dass sich ihr körperliches oder geistiges Befinden bei Wetterwechseln verändert. Besonders bei raschen Veränderungen von Temperatur, Luftdruck oder Luftfeuchtigkeit wird häufig von Beschwerden berichtet, die vom allgemeinen Unwohlsein bis zu konkreten Symptomen wie Kopfschmerzen oder Kreislaufproblemen reichen. Die zentrale Frage lautet dabei, ob Wetterfühligkeit wissenschaftlich erklärbar ist oder ob es sich überwiegend um eine subjektive Wahrnehmung handelt.

Was unter Wetterfühligkeit verstanden wird

Wetterfühligkeit beschreibt keine eigenständige Erkrankung, sondern eine individuelle Reaktionsweise des Organismus auf äußere Wetterreize. Medizinisch existiert keine einheitliche Definition, was unter anderem dazu beiträgt, dass der Begriff oft kritisch betrachtet wird. Dennoch ist unstrittig, dass der menschliche Körper kontinuierlich auf Umweltbedingungen reagiert, da Atmung, Kreislauf und Temperaturregulation an äußere Faktoren angepasst werden müssen. Wenn diese Anpassung als belastend empfunden wird, kann dies subjektiv als wetterbedingt wahrgenommen werden. Ebenfalls unstrittig ist, dass gerade der Frühling für viele zu einer Belastung wird, weil sie unter einer Pollenallergie leiden und dadurch unter Husten, Schnupfen, tränenden Augen, Müdigkeit und Konzentrationsproblemen leiden.

Wetterfaktoren mit plausibler physiologischer Wirkung

Als besonders relevant gelten Wetterwechsel, bei denen mehrere Faktoren gleichzeitig auftreten, etwa ein fallender Luftdruck in Verbindung mit steigender Luftfeuchtigkeit oder abrupten Temperaturveränderungen. Luftdruckschwankungen können Einfluss auf die Gefäßspannung haben, was bei empfindlichen Menschen zu Kopfdruck oder Konzentrationsproblemen führen kann. Auch hohe Temperaturen belasten den Kreislauf, da der Körper Wärme über die Haut abgeben muss, während Kälte eine stärkere Gefäßverengung erfordert. Dass diese Anpassungsprozesse Energie benötigen und nicht bei jedem Menschen gleich gut funktionieren, gilt als physiologisch nachvollziehbar.

Blutdruck als zentrale Schnittstelle zwischen Wetter und Befinden

Der Blutdruck spielt im Zusammenhang mit Wetterfühligkeit eine wichtige Rolle, da er direkt auf Temperatur- und Luftdruckveränderungen reagieren kann. Bei Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen, wodurch der Blutdruck steigen kann, während Wärme eine Gefäßerweiterung begünstigt, die insbesondere bei Menschen mit niedrigem Blutdruck zu Schwindel oder Leistungsabfall führen kann. Wetterwechsel können somit bestehende Blutdrucktendenzen verstärken, ohne dass eine akute Erkrankung vorliegt. Wer wiederholt wetterabhängige Beschwerden bemerkt, kann durch regelmäßige Blutdruckmessungen besser einschätzen, ob Schwankungen mit bestimmten Wetterlagen zusammenfallen. Eine sachliche Orientierung zu geeigneten Messgeräten bietet ein Vergleich gängiger Modelle.

Welche Annahmen eher dem Mythos zuzuordnen sind

Nicht jede körperliche Veränderung lässt sich eindeutig auf das Wetter zurückführen. Die Annahme, dass jede Wetterlage automatisch Beschwerden verursacht oder dass alle Menschen identisch auf bestimmte Wetterlagen reagieren, gilt als nicht haltbar. Häufig überlagern sich mehrere Faktoren wie Stress, Schlafqualität, Bewegungsmangel oder Flüssigkeitszufuhr, die dann dem Wetter zugeschrieben werden. Auch Erwartungshaltungen spielen eine Rolle, da Beschwerden intensiver wahrgenommen werden können, wenn bereits mit ihnen gerechnet wird.

Pragmatische Strategien im Umgang mit Wetterfühligkeit

Ein sinnvoller Umgang mit Wetterfühligkeit setzt weniger auf Vermeidung von Wetterreizen als auf eine Stärkung der Anpassungsfähigkeit des Körpers. Ziel ist es, den Kreislauf zu stabilisieren und den Organismus widerstandsfähiger gegenüber äußeren Einflüssen zu machen. Bewährt haben sich insbesondere folgende Maßnahmen:

● regelmäßige Bewegung im Freien, da wechselnde Wetterreize die Anpassungsfähigkeit fördern

● ausreichende Flüssigkeitszufuhr, insbesondere bei warmem oder schwülem Wetter

● ein stabiler Schlafrhythmus, der die Regenerationsfähigkeit unterstützt

● das bewusste Beobachten des eigenen Blutdrucks, um wetterbedingte Schwankungen besser einordnen zu können

Neben den körperlichen Beschwerden kann sich das Wetter natürlich auch auf psychischer Ebene bemerkbar machen. Graues, kaltes Winterwetter wird beispielsweise von vielen als belastend wahrgenommen und führt zu einem Winterblues – gerade im Januar und Februar, wenn die festlichen Weihnachtsdekorationen verschwunden sind. Durch das fehlende Tageslicht produziert der Körper in der Zeit einen Überschuss an Melatonin, was zu Müdigkeit, Energielosigkeit und schlechter Laune führen kann. Um dem Winterblues entgegenzuwirken, kann es helfen, an die frische Luft zu gehen, es sich drinnen so richtig gemütlich zu machen, Sport zu treiben und Lebensmittel zu essen, die Serotonin ausschütten können, beispielsweise Nüsse, Quinoa und Haferflocken.

Bildquelle: Woman feeling the rain with her hand | Free Photo