Dominik Jung
Hagel um drei Zentimeter zwischen Donau und Alpen: Obstbauern beziffern Schäden auf über 30 Millionen Euro
Während am Mittwochabend im Süden und Osten Deutschlands erneut kräftige Gewitter aufziehen, zeichnet sich für die Landwirtschaft ein außergewöhnliches Hageljahr ab. Allein Mitte Juli beschädigten Unwetter binnen 48 Stunden rund 100.000 Hektar. Im Alten Land summieren sich die Schäden auf über 30 Millionen Euro – und die Saison ist noch längst nicht vorbei.
Warnschwerpunkte heute Abend und am Donnerstag
Der Deutsche Wetterdienst hat seinen Warnlagebericht am Mittwoch um 10:30 Uhr aktualisiert. Im Fokus stehen zunächst der Osten und Nordosten sowie der äußerste Süden, in der Nacht zum Donnerstag dann der äußerste Südosten Bayerns. Erwartet werden bis 25, örtlich bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit sowie Böen um 80 und lokal bis 100 Kilometer pro Stunde. Meist fällt kleinkörniger Hagel, örtlich sind Körner um drei Zentimeter nicht ausgeschlossen. Am Donnerstag verlagert sich das Gewitterrisiko in den Raum zwischen Donau und Alpen.
Im Alten Land trifft es zwei Drittel der Apfelfläche
Im Alten Land bei Hamburg, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Nordeuropas, schlugen am 4. und 9. Juni sowie am 1. Juli drei schwere Hagelunwetter ein. Rund zwei Drittel der gut 8.300 Hektar Apfelfläche sind betroffen, den Schaden beziffern Obstbauverbände und die Vereinigte Hagel auf über 30 Millionen Euro. Angeschlagene Früchte lassen sich nur noch als Most- oder Schälobst verwerten, der Erlös liegt dabei bis zu 80 Prozent unter dem von Tafelware. Mehr als die Hälfte der Betriebe hat keine Hagelversicherung.
Warum ein Dürresommer trotzdem Hagel bringt
Auf den ersten Blick passt Großhagel schlecht zu einem Sommer mit Rekordtrockenheit. Entscheidend ist aber nicht die Bodenfeuchte, sondern der Temperaturkontrast: Sehr warme, energiereiche Luft am Boden und deutlich kühlere Höhenluft an einer Kaltfront erzeugen kräftige Aufwinde, in denen Hagelkörner mehrfach umlaufen und dabei wachsen. Ob Großhagel durch die Erwärmung generell häufiger wird, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt, denn Hagelzüge sind kleinräumig und in Statistiken schlecht erfasst. Unstrittig ist: Schon eine einzelne Zelle kann eine ganze Jahresernte vernichten.