Warum gefrorene Gewässer so anziehend sind
Die weißen Flächen wirken einladend: Spaziergänger überqueren gefrorene Seen, Schlittschuhläufer drehen ihre Runden. Doch unter der scheinbar festen Oberfläche lauert eine der größten Wintergefahren – Eis, das jederzeit brechen kann. Jedes Jahr geraten Menschen in Lebensgefahr, weil sie die Tragfähigkeit der Gewässer überschätzen oder Warnzeichen ignorieren. Was nach Winteridylle aussieht, endet nicht selten in dramatischen Rettungseinsätzen.
Gefrorene Gewässer üben eine besondere Faszination aus. Sie wirken ruhig, stabil und sicher – vor allem nach mehreren Frosttagen. Doch Eis bildet sich nie gleichmäßig. Strömungen, Zuflüsse, Pflanzenreste oder Temperaturschwankungen können die Eisdecke von unten schwächen, selbst wenn sie von oben tragfähig erscheint.
Wann Eis besonders gefährlich ist
Grundsätzlich gilt: Eisflächen sind nur dann sicher, wenn sie offiziell freigegeben wurden. Dunkle, graue oder durchscheinende Stellen deuten auf dünnes Eis hin. Besonders riskant sind Bereiche in Ufernähe, an Zu- und Abläufen oder dort, wo sich Wasser bewegt. Auch knackende Geräusche oder aufsteigendes Wasser sind klare Warnsignale.
Viele Unfälle passieren, weil Menschen Warnzeichen ignorieren oder sich auf die Spuren anderer verlassen. Doch selbst wenn mehrere Personen eine Fläche betreten haben, sagt das wenig über die tatsächliche Tragfähigkeit aus.
Richtig reagieren, wenn das Eis nachgibt
Gibt das Eis nach, zählt jede Sekunde – und vor allem Ruhe. Wichtig ist, das Körpergewicht sofort zu verteilen. Wer merkt, dass es knackt oder Wasser austritt, sollte sich flach auf den Bauch legen und Arme sowie Beine ausbreiten. So verringert sich der Druck auf das Eis.
Anschließend sollte man sich langsam, gleichmäßig und kriechend vom Bruchbereich entfernen. Idealerweise in Richtung des eigenen Hinwegs, da das Eis dort zuvor getragen hat. Ruckartige Bewegungen können die Eisfläche weiter destabilisieren.
Wenn man selbst einbricht
Bricht man ins Wasser ein, ist es entscheidend, laut um Hilfe zu rufen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Kälte führt schnell zu einem Schock, die Muskelkraft lässt nach. Wer versucht, hektisch aus dem Wasser zu kommen, riskiert, schneller zu erschöpfen oder weiter einzubrechen.
Betroffene sollten versuchen, sich am Rand der Bruchstelle festzuhalten und sich mit Unterarmen oder Fäusten Stück für Stück auf stabileres Eis vorzuarbeiten. Dabei gilt: möglichst wenig bewegen, Kräfte sparen und gezielt handeln. Unterkühlung kann bereits nach wenigen Minuten lebensbedrohlich werden.
So helfen andere, ohne selbst in Gefahr zu geraten
Für Helfer gilt eine klare Reihenfolge: Zuerst den Notruf 112 wählen. Eine genaue Ortsangabe ist entscheidend, idealerweise organisiert jemand vor Ort die Einweisung der Rettungskräfte.
Erst danach sollte Hilfe geleistet werden – und nur, wenn keine Eigengefährdung besteht. Retter sollten sich flach auf das Eis legen und mit langen Gegenständen wie Stöcken, Schals, Gürteln oder Leinen arbeiten. Niemals die Hand reichen: Die Gefahr, selbst ins Wasser gezogen zu werden, ist groß.
Nach der Rettung: Vorsicht vor Unterkühlung
Ist eine Person aus dem Wasser gezogen, müssen nasse Kleidungsstücke umgehend entfernt werden. Wichtig ist langsames Wiederaufwärmen – nicht abrupt in sehr warme Räume oder unter heiße Duschen. Trockene Kleidung, Decken und ruhiges Liegen helfen, bis der Rettungsdienst übernimmt.
Wenn Tiere ins Eis einbrechen
Auch Tiere, etwa Hunde, geraten immer wieder in Notlagen auf Eisflächen. Hier gilt: Eigenschutz hat Vorrang. Umgehend die Feuerwehr alarmieren – viele Städte verfügen über spezielle Tierrettungseinheiten. Tiere können sich oft selbst befreien. Rettungsversuche sollten ausschließlich mit Hilfsmitteln wie Leinen erfolgen, niemals mit bloßen Händen.