Dominik Jung
Pegel Kaub unter dem Rekord von 2018: Rhein-Frachter fahren nur mit einem Fünftel Ladung
Am Pegel Kaub stand der Rhein am Montagnachmittag bei 16 Zentimetern. Der bisherige Tiefstwert von 25 Zentimetern aus dem Oktober 2018 ist damit seit einer Woche Geschichte, und die amtliche Vorhersage sieht bis Freitag einstellige Werte. Auf dem wichtigsten Wasserweg Europas fahren Frachter oft nur mit einem Fünftel ihrer Ladung.
Rekorde am Mittelrhein und an der Elbe
Am 4. August unterbot Kaub mit 24 Zentimetern den Rekord vom 22. Oktober 2018 um einen Zentimeter, seither ging es weiter abwärts. Am Montagnachmittag wies das amtliche Portal PEGELONLINE 16 Zentimeter aus, in Köln 60. Die Vorhersage der Bundesanstalt für Gewässerkunde von Montagmorgen erwartet für Freitag nur noch 10 bis 5 Zentimeter. Auch die Elbe fiel in Magdeburg am 6. August auf 43 Zentimeter, den tiefsten Wert seit Messbeginn 1727 – noch ungeprüfte Rohdaten.
Warum ein Pegelwert keine Wassertiefe ist
Der Pegelwert ist nicht die Wassertiefe, sondern die Höhe über einem festen Bezugspunkt – knöcheltief ist der Rhein bei Kaub also nicht. Für die Schifffahrt zählt der Abstand zwischen Schiffsboden und Flussgrund, und Kaub ist die flachste Engstelle am Mittelrhein. Unter etwa 40 Zentimetern ist wirtschaftlich sinnvolle Binnenschifffahrt kaum möglich, viele Frachter laden nur ein Fünftel. Thyssenkrupp drosselte die Rohstahlproduktion in Duisburg, Bundesverkehrsminister Steffen Bilger berief ein Krisentreffen in Bonn ein.
Kaum Regen bis Mittwoch, Gewitter erst am Wochenende
Hydrologisch fehlt dem Rhein Wasser aus zwei Quellen: Der schneearme Alpenwinter und die frühe Schmelze nehmen dem Sommer seinen Speicher, und nach dem fünften zu trockenen Monat in Folge liefert das Grundwasser kaum noch Zufluss. Die DWD-Wochenvorhersage der Wettergefahren von Montag, 11 Uhr, bringt bis Mittwoch nur an den Alpen einzelne kräftige Gewitter, ab Donnerstag steigende Wärmebelastung im Südwesten und erst am Wochenende kräftige Gewitter mit lokalem Unwetterpotenzial. Solche Schauer treffen punktuell und laufen auf harten Böden ab – ein Einzugsgebiet füllen sie nicht.